Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Unser Leben im Zusammenhang sehen
Unser Leben im Zusammenhang sehen

Integration ist das Paradigma des Lebendigen. Das beginnt bei uns selbst. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? – der Buchtitel von Richard David Precht drückt unser Dilemma aus. Wenngleich der Titel hier die verschiedenen Ich-Zustände meint, welche die Hirnforscher beschreiben:

„Viele Hirnforscher neigen dabei der Ansicht zu, dass es nicht ein Ich gibt, sondern viele verschiedene Ich-Zustände: mein Körper-Ich sorgt dafür, dass ich weiß, dass der Körper, mit dem ich lebe, tatsächlich mein eigener Körper ist; mein Verortungs-Ich sagt mir, wo ich gerade bin; mein perpektivisches Ich vermittelt mir, dass ich der Mittelpunkt der von mir erfahrenen Welt bin; mein Ich als Erlebnissubjekt sagt mir, dass meine Sinneseindrücke und Gefühle tatsächlich meine eigenen sind und nicht etwa die von anderen; mein Autorschafts und Kontroll-Ich macht mir klar, dass ich derjenige bin, der meine Gedanken und meine Handlungen zu verantworten hat, mein autobiografisches Ich sorgt dafür, dass ich nicht aus meinem eigenen Film falle, dass ich mich durchgängig als ein und derselbe erlebe; mein selbstreflexives Ich ermöglicht mir, über mich selbst nachzudenken und das psychologische Spiel von »I« und »Me« zu spielen; das moralische Ich schließlich bildet so etwas wie mein Gewissen, das mir sagt, was gut und was schlecht ist.“

Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise. München: 2007, S. 69

Dummerweise kommt es immer zu einem Zirkelschluss, wenn das (selbstreflexive) Ich versucht, das Ich zu beschreiben. In der Neurowissenschaft wird das dann besonders bizarr, wenn „das phänomenale Erleben aus der Erste-Person-Perspektive und das Erscheinen eines bewussten Selbst komplexe Formen von virtueller Realität sind.“1 Das Ich ist dort als Simulation verortet. Wie heißt es schon bei Augustinus: Ich irre mich, also bin ich?2

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Neugeburt des Jetzigen

Ground Zero | Bild von 12019 on Pixabay

„Weh, weh, du große Stadt Babylon, du starke Stadt, in einer Stunde ist dein Gericht gekommen! Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen um sie, weil ihre Ware niemand mehr kaufen wird.“ Offenbarungen 18:2 und 18:10-11

Du fühlst vielleicht auch deutlich, dass „eine Neugeburt und ein Zusammenbruch des Jetzigen nahe und schon spürbar“ ist (H. Hesse: Demian, S. 144). Wir sind in eine neue Phase der Weltentwicklung eingetreten. Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert!

Schaue ich auf Europa, denke ich an die Jungfrau Europa, in der Hand hoch einen vollen Strauß blühender Rosen haltend, wird sie schicksalhaft von einem verschlagenden Gott in der Gestalt eines Stieres ihrer Jungfäulichkeit beraubt. Fuck the EU. Ein Stier. Ein Bulle der Börse, geprägt auf einer Zwei-Euro-Münze. Das gilt für alle Erdteile. Mittlerweile ist das ganze Weltfinanzsystem auf allen Vieren stöhnend, angezählt und kurz vor dem Knockout.

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