Mich hat ein Spruch angesprochen:

Du musst auf deine Worte achten, wenn du in Gesellschaft bist. Aber du musst noch viel mehr auf deine Gedanken achten, wenn du allein bist.

– Instagram. Einguterplan

Wir kennen das. Spielen wir Gedankenschach.

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

– Chinesisches Sprichwort

Doch was passiert, wenn wir das tun? Was passiert, wenn wir auf unsere Gedanken, Worte, Handlungen, Gewohnheiten, unseren Charakter und unser Schicksal achten? Mehr noch: Wenn wir unsere Gefühle, unsere Lust und Unlust, unsere Ängste, unseren Hoch- und Übermut, unseren Willen und Widerwillen untersuchen? Betrachten wir diese gleich Schatten an der Wand, wie in Platons Höhlengleichnis? Sagen wir: Ich kenne das. Sie kommen und gehen jeden Tag. So, als hätten sie nichts mit uns zu tun? So, wie es im Buddhismus heißt: Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht meine Gefühle. Ich kann mich nicht mit etwas identifizieren, das nicht existiert. Ich habe Gedanken, ich habe Gefühle, aber ich bin sie nicht. Und sind deine Gedanken und Gefühle dir dann noch fremd, dass sogar die Überlegung: „Ich bin nicht meine Gedanken,“ ohne Anhaftung bleibt und keine Bedeutung für dich hat? Ist dieses kühle Kennen Erkennen? Befreit uns das beziehungslose Betrachten der Schatten schon von der Identifikation mit wandelbaren Vorstellungen? Oder halten wir an der Dualität von Denker und Gedachtem fest, wenn wir uns unterscheiden? Verharren wir auf demselben Fleck, Gefangene der Höhle, unvermögend, den Kopf herumzudrehen? Und war nicht bei Platon der Gedanke, die Idee das letztlich Reale?

Was bedeutet es, seine Identität im Leben ganz aufzugeben? Ist Entsagung die Voraussetzung für Sein? Wer alles loslassen will, darf beim Ich nicht stehen bleiben. Kennst du den Ratschlag, dass du dich selbst noch überwinden musst, dass du deinem Ich entsagen sollst und du dich vollständig von dir befreist, dass deine Seele erst leer werden muss, bevor die Fülle sich in ihr ergießen kann und du Wesen und Existenz erlebst? Sei nicht deine Gedanken, sei nicht deine Gefühle, sei nicht dein Ich. Dein Ich, deine Person ist nur eine Maske, die du trägst. Du hast ein Ego, aber du bist es nicht. Du wurdest in diese Welt geworfen. Vermische dich nicht mit ihr. Reinige deine Seele. Wirf die Schleier ab. Wer nichts hat, kann auch nichts verlieren.

Verachte deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Verachte deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Verachte deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Verachte deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Verachte deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Was, wenn dessen ungeachtet die Verneinung deines Ich, deiner Gedanken, Worte, Gefühle und Handlungen selber nur eine Denkweise, ein Glaubenssatz, eine Gewohnheit sind? Was, wenn das Gehirn dein Desinteresse, deine Unwissenheit mit alten Bildern und Erfahrungen füllt, die du erwartest und zu deiner Sicht auf die Welt führt? Verbleibst du in einer Zuschauerrolle, ohne dich in Gänze in dieses Leben hineinzuwerfen, ohne dich zu vermischen, ohne das Leben selbst je gelebt zu haben? Woher kommt das Misstrauen in der Gesellschaft, die Lagerbildung, die Spaltung? Woher kommt der viele Streit und die Gewalt? Sind sie das Los des Dualismus? Oder sind sie eine Folge unserer Gedankenblasen, unserer Worthülsen, unserer Taten und Leiden? Könnte die allgemeine Abwertung und Abweisung mit einer Verachtung des Lebens zusammenhängen? Bist du Akteur? Bist du Idee, Höhle, Gefängnis und Gefangener zugleich? Ist Schicksal das, was dir im Leben bestimmt ist, worauf du keinen Einfluss hast, oder kannst du es in die eigene Hand nehmen? Kannst du beeinflussen, was du denkst, was du sprichst, was du tust?

Und was passiert, wenn du siehst, dass die Schatten deine dunklen Gedanken, deine Worte, deine Gefühle, deine Handlungen und deine Gewohnheiten sind? Wenn du erkennst, dass jedes Leben ein Austausch zwischen Außenwelt und Ich ist? Was heißt außen, was innen? Außenwelt ist immer Innenwahrnehmung. Bist du von deinem Spiegelbild erschüttert? Kannst du auch die Verachtung in deinen Gedanken aushalten und die Bitterkeit in deinen Worten schmecken? Sind sie eher süß und klebrig im Geschmack? Bist du in deine Taten verbissen? Schluckst du deine Gewohnheiten einfach herunter oder grimmt es dich im Bauch? Kennst du das Knurren deines Charakters und das Völlegefühl, all das Aufgeblasene? Was bleibt so von deinem Schicksal? Wird es weggespült? Tag für Tag, Jahr für Jahr, Leben für Leben, Asche zu Asche?

Achte auf dein Schicksal, denn es zeigt deinen Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er zeigt deine Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie zeigen deine Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie zeigen deine Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie zeigen, wie du denkst.

Wer bist du? Bist du schon genervt vom Achtgeben? Bist du die viele Fragerei leid? Fragen über Fragen. Stellt sich dir die eine Frage nicht, weil du nicht deine Fragen bist? Ahnst du, dass an dem Tage, da du diese Frage stellst, sterben musst, weil dein Glaube, wer du bist, dahingeht? Kannst du der Versuchung widerstehen? Findet sie keine Resonanz in dir? Oder glaubst du, wer eine solche Frage stellt, haftet einem Selbstbild an, weil Frage und Fragender niemals unabhängig voneinander existieren? Wer jedoch keine Antwort hat, entzieht sich der Verantwortung. Das Handeln findet ohne eigenen Antrieb statt.

Wer bist du? Was passiert, wenn du dir die eine Frage stellst? Kannst du die Frage beantworten? Oder geht es dir damit, wie beim Beachten und Betrachten deiner Gedanken: Sie kommen und gehen, und sobald du versuchst, nur einen festzuhalten, versteckt er sich voller Scham? Du bist heute nicht der, der du gestern warst und morgen bist du das, was noch werden will. Wie flüchtig bist du als Zeitreisender? Hast du die überreife Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen geschmeckt, das Bittere, Süße, Klebrige? Ist dir das Urteilen zu Fall und Verhängnis in Raum und Zeit geworden? Erkennst du wie die klassischen Philosophen, dass du nichts weißt? Staunst du darüber? Kannst du immer wieder alles in Frage stellen?

Welten, Lichtjahre liegen zwischen unserem Denken und dem kosmischen Bewusstsein. Kosmisches Bewusstsein ist Stille, ist Leere, ein Raum mit unendlichen Weiten, ein Abenteuer. Zugleich ist kosmisches Bewusstsein ohne jede Ausdehnung, ohne Anfang und Ende, ohne Standpunkt, ohne Perspektive. Es ist Vergegenwärtigung. Alles fällt dir zu. Nichts ist Zufall. Alles hängt mit allem zusammen. So wie du. Wie weit reichst du in die Vergangenheit, wie weit in die Zukunft? All die Leben und Zivilisationen, die du erforschst, das, was dein Auge nie zuvor gesehen hat, bist du es selber oder etwa doch nicht?

Zum Wesen der Raumfahrt gehört es, das Alte hinter sich zu lassen. Hast du die Erdatmosphäre des Unbewussten nach dem Prinzip des Rückstoßes auf dich selbst schon überwunden? Erlebst du die Hochachtung allen und allem gegenüber? Strahlst du schon ins All, du Außerirdischer aus einer fernen, helleren und bewussteren Galaxis, du Sternenbote aus einer lichteren Welt?

Sei Gedanke und werde Wort.
Sei Wort und werde Leben.
Sei Leben und werde Licht.
Sei Licht und werde Erleuchtung.
Sei Erleuchtung und werde Neubeginn.

Kategorie: Bewusstsein

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