Intro: Der Kosmische Mensch

„Und wir empfanden einzig das als Pflicht und Schicksal: daß jeder von uns so ganz er selbst werde, so ganz dem in ihm wirksamen Keim der Natur gerecht werde und zu Willen lebe, daß die ungewisse Zukunft uns zu allem und jedem bereit finde, was sie bringen möchte.

Denn dies war, gesagt und ungesagt, uns allen im Gefühl deutlich, daß eine Neugeburt und ein Zusammenbruch des Jetzigen nahe und schon spürbar sei“

(H. Hesse: Demian. Die Geschichte von Emil Sinclairs Jugend. Frankfurt am Main: 11974, S. 144).

und willkommen bei Kosmischer Mensch! Gehörst du mit zu den Erwachenden? Bist du dabei, ganz du selbst zu werden? Spürst du, dass eine Neugeburt und ein Zusammenbruch des Jetzigen nahe und spürbar ist?

Was ist der Kosmische Mensch? Der Kosmische Mensch lebt ewig und unbegrenzt. Er ist weder Zeit noch Raum, doch ist er zur richtigen Zeit am richtigen Ort. In ihm ruht der Anfang, die Mitte und das Ende. Er bringt das Vergangene und Zukünftige mit dem Jetzt in Einklang. Er ist Weg, er ist Ziel. Er verbindet das Oben mit dem Unten. Er ist weder Kosmos noch Mensch, noch ist er Nicht-Kosmos und nicht Mensch. Er ist weder Gestalt noch hat er keine Gestalt. Er ist sowohl frei als auch Leibeigener. Er ist zugleich übersinnlich und sinnlich. Weder leidet er, noch leidet er nicht. Wenn du ihn vernimmst und verstehst, ist er deine Frage und deine Antwort.

Werde dir wieder bewusst, der Kosmische Mensch zu sein. Von Alters her wurde der Mensch als viel mehr angesehen, wie wir ihn heute kennen und was wir gewohnt sind, Mensch zu nennen. Wir sprechen ganzheitlicher von Körper-Seele-Geist, was einer Trinitätsvorstellung der Kirche entspricht, wobei auch andere Mysterienkulte die Dreigliederung in „Vorhof“, „Heiligtum“ und „Allerheiligstes“ kannten und kennen. Im Jahre 869 wurde auf dem Vierten Konzil zu Konstantinopel der Geist als Wesensglied des Menschen verleugnet; übrig blieb eine bloße Zweigliedrigkeit des Menschen nach Seele und Leib (vgl. A. Schult: Vom übersinnlichen Wesen des Menschen. Bietigheim: 21986, S. 61 und 64ff.). Der Mensch wurde geistig enthauptet und zurück blieb eine „sündige“ Seele. Heute wird unter Geist meist unser Intellekt verstanden. Die Existenz einer Seele wird wissenschaftlich angezweifelt, sodass der Mensch nur noch aus einer Körperlichkeit bestehen soll. Anstelle einer Innerlichkeit ist eine Selbstprojektion getreten, die von unseren Gehirnen erzeugt wird (vgl. exemplarisch Thomas Metzinger: Der EGO-Tunnel. Eine neue Philosophie des Selbst: Von der Hirnforschung zur Bewusstseinsethik. München/Berlin/Zürich: 12014). Ein zweites Mal wurde der Mensch enthauptet – nur, dass er diesmal ganz Kopf ist, wie die Figur Prof. Simon Wright aus Captain Future.

In anderen Kulturkreisen wusste und weiß man um eine mehrgliedrige, siebenfältige Konstitution des Menschen. Sie wurde der westlichen Welt im 20. Jahrhundert durch die Theosophie und Antroposophie bekannt. Dort wird der Mensch unterschieden in (1) Physischer Leib, (2) Ätherischer Leib, (3) Empfindungs- oder Astralleib, (4) Verstandesseele, Mentalleib oder Ich sowie in die drei höheren Körper (5) Geistselbst, (6) Lebensgeist und (7) Geistmensch. Analog lauten sie in den Altägyptischen Mysterien „Chat“, „Ka“, „Ba“, „Ach“, „Horus“, „Isis“, „Osiri“; im Indischen „Sthula-Sharira, „Linga Sharira“, „Kama“, „Kama-Manas“, „Manas“, „Buddhi“, „Atman“; im Hebräischen „Agur“, „Ben Jake“, „Lamuel“, „Nephesch“, „Itiel“, „Kohelet“, „Jedidjah“. Im Indischen und Hebräischen wird das Ichbewusstsein zudem unterschieden in ein affektives Denken („Kama-Manas“ bzw. „Nephesch“) und einer höheren Vernunft „Buddhi-Manas“ bzw. „Neschamah“, sodass zu den genannten sieben Wesensglieder weitere hinzukommen.

Müssen wir den Menschen auffächern? Nein. Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Darum geht es: Die Mehrgliederung zeigt auf, dass der Mensch, der Kosmische Mensch wesenhaft bis ins Unendliche reicht und dort verwurzelt ist. Er weiß, warum er in diese Welt inkarniert ist. Er wird seinem Schicksal gerecht.