Verschwörungstheorien

Pentagon | Bild von WikiImages auf Pixabay

Magst du Verschwörungstheorien? Ich liebe sie. Denn sie sorgen dafür, dass wir unser Weltbild immer wieder hinterfragen müssen und nichts als gegeben hinnehmen. Wenn schon das Erscheinen eines bewussten Selbst komplexe Formen von virtueller Realität sind und das Ich in der Neurowissenschaft als Simulation verortet wird,1 können wir auch davon ausgehen, dass die vielen Weltbilder, die diese simulierten Ichs produzieren, schlech­ter­dings eine große Simulation darstellen.

Aber ein bewusstes Selbst als komplexe Form von virtueller Realität läuft per definitionem auf einen Solipsismus hinaus, sodass es schwierig bis unmöglich wird, die Grenze der eignen Meinung und Eigenart zu übersteigen.

Der Anfang aller Philosophie ist das Staunen.2 Wenn wir nicht wie die klassischen Philosophen bereit sind, zu erkennen, dass wir nichts wissen, wenn wir immer Antworten haben und keine Fragen mehr stellen, leben wir in einem Sammelsurium politisierter Narrative, was wir derzeit beobachten können. Bei der Schnelllebigkeit der digital gesteuerten Aufmerksamkeiten durch Hashtags, Shitstorms und Online-Petitionen ist zwar die Erregungskurve hoch, dafür sind die Debatten flach.3 Verschwörungstheorien fordern uns heraus, selber zu denken.

mehr lesen

Fernsehen

Kinder | Bild von mojzagrebinfo auf Pixabay

„Sieh nämlich Menschen wie in einer unterirdischen höhlenartigen Wohnung, die einen gegen das Licht geöffneten Zugang längs der ganzen Höhle hat. In dieser seien sie von Kindheit an gefesselt an Hals und Schenkeln, so daß sie auf demselben Fleck bleiben und auch nur nach vorne hin sehen, den Kopf aber herumzudrehen der Fesseln wegen nicht vermögend sind. Licht aber haben sie von einem Feuer, welches von oben und von ferne her hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und den Gefangenen geht oben her ein Weg, längs diesem sieh eine Mauer aufgeführt, wie die Schranken welche die Gaukler vor den Zuschauern sich erbauen, über welche herüber sie ihre Kunststücke zeigen. – Ich sehe, sagte er. – Sieh nun längs dieser Mauer Menschen allerlei Gefäße tragen, die über die Mauer herüber ragen, und Bildsäulen und andere steinerne und hölzerne Bilder von allerlei Arbeit; Einige, wie natürlich, reden dabei, andere schweigen. – Ein gar wunderliches Bild, sprach er, stellst du dar und wunderliche Gefangene. – Uns ganz ähnliche, entgegnete ich. Denn zuerst, meinest du wohl, daß dergleichen Menschen von sich selbst und von einander etwas anderes zu sehen bekommen als die Schatten, welche das Feuer auf die ihnen gegenüberstehende Wand der Höhle wirft? – Wie sollten sie, sprach er, wenn sie gezwungen sind, zeitlebens den Kopf unbeweglich zu halten! – Und von dem vorübergetragenen nicht eben dieses? – Was sonst? – Wenn sie nun miteinander reden könnten, glaubst du nicht, daß sie auch pflegen würden dieses vorhandene zu benennen was sie sähen?“

Karlheinz Hülser (Hrsg): Platon. Sämtliche Werke in zehn Bänden. Griechisch und Deutsch. Nach der Übersetzung Friedrich Schleiermachers, ergänzt durch Übersetzungen von Franz Susemihl u.a. Bd V: Politeia. Frankfurt am Main/Leipzig: 11991, S. 509

Wir haben uns weiterentwickelt. Uns zwingt niemand, den Kopf unbeweglich zu halten. Wir sitzen nicht mehr vor einer Höhlenwand und starren auf Schatten. Wir stieren auf Bildschirme mit deren Gaukelei. Freiwillig.

mehr lesen

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Unser Leben im Zusammenhang sehen
Unser Leben im Zusammenhang sehen

Integration ist das Paradigma des Lebendigen. Das beginnt bei uns selbst. Wer bin ich und wenn ja, wie viele? – der Buchtitel von Richard David Precht drückt unser Dilemma aus. Wenngleich der Titel hier die verschiedenen Ich-Zustände meint, welche die Hirnforscher beschreiben:

„Viele Hirnforscher neigen dabei der Ansicht zu, dass es nicht ein Ich gibt, sondern viele verschiedene Ich-Zustände: mein Körper-Ich sorgt dafür, dass ich weiß, dass der Körper, mit dem ich lebe, tatsächlich mein eigener Körper ist; mein Verortungs-Ich sagt mir, wo ich gerade bin; mein perpektivisches Ich vermittelt mir, dass ich der Mittelpunkt der von mir erfahrenen Welt bin; mein Ich als Erlebnissubjekt sagt mir, dass meine Sinneseindrücke und Gefühle tatsächlich meine eigenen sind und nicht etwa die von anderen; mein Autorschafts und Kontroll-Ich macht mir klar, dass ich derjenige bin, der meine Gedanken und meine Handlungen zu verantworten hat, mein autobiografisches Ich sorgt dafür, dass ich nicht aus meinem eigenen Film falle, dass ich mich durchgängig als ein und derselbe erlebe; mein selbstreflexives Ich ermöglicht mir, über mich selbst nachzudenken und das psychologische Spiel von »I« und »Me« zu spielen; das moralische Ich schließlich bildet so etwas wie mein Gewissen, das mir sagt, was gut und was schlecht ist.“

Richard David Precht: Wer bin ich und wenn ja, wie viele? Eine philosophische Reise. München: 2007, S. 69

Dummerweise kommt es immer zu einem Zirkelschluss, wenn das (selbstreflexive) Ich versucht, das Ich zu beschreiben. In der Neurowissenschaft wird das dann besonders bizarr, wenn „das phänomenale Erleben aus der Erste-Person-Perspektive und das Erscheinen eines bewussten Selbst komplexe Formen von virtueller Realität sind.“1 Das Ich ist dort als Simulation verortet. Wie heißt es schon bei Augustinus: Ich irre mich, also bin ich?2

mehr lesen

Neugeburt des Jetzigen

Ground Zero | Bild von 12019 auf Pixabay

„Weh, weh, du große Stadt Babylon, du starke Stadt, in einer Stunde ist dein Gericht gekommen! Und die Kaufleute auf Erden werden weinen und Leid tragen um sie, weil ihre Ware niemand mehr kaufen wird.“ Offenbarungen 18:2 und 18:10-11

Du fühlst vielleicht auch deutlich, dass „eine Neugeburt und ein Zusammenbruch des Jetzigen nahe und schon spürbar“ ist (H. Hesse: Demian, S. 144). Wir sind in eine neue Phase der Weltentwicklung eingetreten. Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert!

Schaue ich auf Europa, denke ich an die Jungfrau Europa, in der Hand hoch einen vollen Strauß blühender Rosen haltend, wird sie schicksalhaft von einem verschlagenden Gott in der Gestalt eines Stieres ihrer Jungfäulichkeit beraubt. Fuck the EU. Ein Stier. Ein Bulle der Börse, geprägt auf einer Zwei-Euro-Münze. Was für die EU gilt, gilt für alle Erdteile: Überfall, Raub, Schande und Entwürdigung seit tausenden von Jahren. Mittlerweile ist das ganze Weltfinanzsystem auf allen Vieren stöhnend, angezählt und kurz vor dem Knockout. Das Petrodollarsystem neigt sich dem Ende zu.

mehr lesen